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vendredi, 26 janvier 2007
WER BLEIBEN DARF UND KOMMEN SOLL
Während man in der alten Bundesrepublik jahrelang mit hippiehafter Naivität von den Wundern einer multikulturellen Gesellschaft schwärmte und gleich alle reinlassen wollte, die irgendwie exotisch wirkten, beharrte man auf der anderen Seite des politischen Spektrums mit der Behauptung, Deutschland sei kein Einwanderungsland, auf einem fiktiven Status Quo und verzichtete auf das einzig wirkungsvolle Steuerungsinstrument. Das Ergebnis: es sind nicht unbedingt die Integrationswilligen und –fähigen, die in den letzten Jahrzehnten nach Deutschland gekommen sind.
Wollte man es damals nicht wissen oder fand man die Diskussion angesichts der deutschen Vergangenheit politisch unkorrekt? Eine Einwanderungsgesellschaft kann sich aussuchen, wen sie einlädt, an den Segnungen und Leistungen des eigenen Landes teilzunehmen. Typische Einwanderungsländer vergeben ihre Greencard nur nach gründlichster Prüfung und nur nach dem Prinzip des eigenen Nutzens.
Deutschland aber war jahrzehntelang das Traumziel aller Mühseligen und Beladenen, nicht etwa der Wunschort für Menschen, die ehrgeizig etwas werden wollten. „Exzellenz“ anzulocken scheint uns noch heute schwer zu fallen. Immerhin hat die veränderte Asylpolitik der letzten Jahre dazu geführt, dass die Bundesrepublik den Ruf eingebüßt hat, ein Land zu sein, das geradezu dazu einlädt, an seinen sozialen Segnungen ohne Gegenleistung zu partizipieren. Und nun, da man sich auch über die so genannten „Altfälle“ verständigt hat, die etwa 200 000 Ausländer, die bislang nur geduldet hier leben, kann man endlich illusionslos über die wirklichen Probleme reden. Über die Integration derjenigen, die in der zweiten oder dritten Generation hier leben und dennoch nicht angekommen sind – und darüber, wen man künftig anlocken möchte als nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche und intellektuelle Bereicherung.
Der Beschluss, mit dem sich die CDU-Innenminister gegen Vorstellungen der Regierung und insbesondere gegen SPD-Positionen durchgesetzt haben, setzt einen klaren Akzent: bleiben darf, wer arbeitet. Wer nicht arbeiten will oder keine Arbeit findet, muss gehen.
Das klingt hart und ist zugleich die einzig menschenwürdige Lösung, denn sie belohnt die Ehrgeizigen und Integrationswilligen. Vor allem aber hätte alles andere lediglich deutsche Illusionen fortgeführt. Die Illusion nämlich, man könne sich mit sozialen Wohltaten die Folgen der Globalisierung vom Halse halten, die da lauten: Konkurrenz.
Was das betrifft, ließ die Debatte zuvor allerhand befürchten. Der erste Kompromiss zwischen Schäuble und Müntefering roch nach einem Durchmarsch alten Besitzstandsdenkens: Während der bayerische Innenminister Beckstein forderte, die Betroffenen hätten zuerst eine Arbeit vorweisen, um daraufhin das Bleiberecht zu erhalten, wünschte es sich der Regierungsvorschlag umgekehrt – weil bislang Deutsche und EU-Angehörige bei der Jobsuche vorgezogen werden mussten, ein Prinzip, das man mit Rücksicht auf die Gewerkschaften nicht antasten wollte.
Hier zeigte sie sich wieder, die alte deutsche Krankheit, die sich als Fürsorglichkeit tarnt. Im gut gepolsterten Handschuh lauert die Faust, nämlich die bequeme Vorstellung, dass Einwanderer im wesentlichen Menschen sind, die unserer Hilfe bedürfen. Was aber, wenn sie das Gegenteil des hilflosen Opfers sind, nämlich potentiell gefährliche Konkurrenten? Menschen etwa, deren Ehrgeiz den eines deutschen Normalarbeitnehmers übersteigt, der an sein bequemes soziales Netz gewöhnt ist und nicht daran denkt, mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsstunden abzusitzen? Akzeptieren wir auch die?
Die Asylpolitik der Vergangenheit und die weit offenen Arme der Hilfsbereitschaft verdecken unter dem Mäntelchen der hochgemuten Moral etwas ganz banales, furchtbar menschlich-egoistisches und wenig zukunftsträchtiges. Es ist die Angst vor der Konkurrenz durch allzu Fleißige. Ihr Vorwärtsstreben könnte ja an gehätschelte Besitzstände gehen, ans Lohnniveau und die geregelte Arbeitszeit. Besser, man stellt sie mit sozialen Wohltaten ruhig.
So jedenfalls verfuhr man damals, als sich die DDR auflöste: die Lobbyisten des deutschen Arbeitnehmers, die Gewerkschaften, sorgten im Handumdrehen dafür, dass man im Osten die einzige Chance nicht nutzen konnte, die man wenigstens vorübergehend hatte: durch niedrigere Löhne konkurrenzfähig zu sein. Statt blühender Landschaften haben wir deshalb jetzt alimentierte Menschen.
Wir müssen uns hierzulande entscheiden, was wir wollen. Die Entstehung staatlich heran gefütterter Parallelgesellschaften? Wohl kaum, die Erfahrungen der letzten Jahre erweisen, welch Explosivstoff dem innewohnt. Die Alternative ist unbequem: wir müssen uns ins Offene trauen, raus aus dem kuscheligen Konsensdeutschland in eine globalisierte Welt, in der eben auch die Fröste der Freiheit wehen.
Cora Stephan ist Schriftstellerin und Publizistin
10:15 Publié dans CORA STEPHAN , GERMAN EDITION , POLITIQUE | Lien permanent | Commentaires (2) | Trackbacks (0) | Envoyer cette note | Tags : Einwanderung, Globalisierung, Einwanderungsland, Deutschland, Cora Stephan, Anne Chaplet, europeus.org
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Commentaires
Deutschland ist ein Chartaland: ein Land der Charta der Grundrechten.
Deutschland muss den Text seines Rainer Herzog kennen und schätzen lernen.
Und wir die Unionsbuerger sind da um den Denkbarbaren in Deutscher Politik und Justiz Nachhilfeunterricht zu geben.
Ecrit par : unionsbuerger | vendredi, 26 janvier 2007
Herzerfrischend! Endlich mal eine unbelastete Stellungnahme. Auf solchen Grundlagen kann man diskutieren und gemeinsam echte Lösungen für die heutigen Probleme finden. Toller Text!
Ecrit par : Kai | dimanche, 28 janvier 2007








